Beispielfragen
12 Fragen, für die niemand einen Report baut.
Nicht weil sie unwichtig sind, sondern weil sie einmal vorkommen. Zu jeder Frage steht hier das Antwortformat – und darunter, was schiefgeht, wenn man sie von Hand zählt.
Branchentypische Fragen · keine Kundenfälle · Werte als Format, nicht als Messergebnis
Bestandsentwicklung, Abwanderung, Potenzial
Vertrieb & Kundenmanagement
| Kunde | Q3 zum Vorjahr | Q4 zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Kunde A | − 18 % | − 24 % |
| Kunde B | − 9 % | − 31 % |
| Kunde C | − 12 % | − 15 % |
Eine Umsatzliste pro Kunde zeigt Stände, keine Bewegung. Wer sie von Hand vergleicht, rechnet meist gegen das Vorquartal statt gegen das Vorjahresquartal – und zählt damit die Saison als Rückgang.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Neukunden im laufenden Jahr | 64 |
| davon mit genau einer Bestellung | 27 |
| davon älter als drei Monate | 19 |
„Neukunde“ ist keine Spalte. Je nachdem, ob die erste Bestellung, die Anlage im System oder der erste Kontakt zählt, verschiebt sich die Menge – und dasselbe Unternehmen, das zweimal angelegt wurde, erscheint zweimal als Neukunde.
| Produktgruppe | Kunden | nur diese Gruppe |
|---|---|---|
| Serviceverträge | 1.240 | 812 |
| Projektgeschäft | 430 | 96 |
| Schulungen | 180 | 41 |
Die Frage braucht zwei Festlegungen gleichzeitig: was zu einer Produktgruppe gehört und wer zur Zielgruppe der anderen zählt. Beides steht in Vertriebsregeln und nicht im Datenmodell – ein Report zählt deshalb nur die Gruppe, die er kennt.
Forderungen, Stichtage, Abweichungen
Finanzen & Controlling
| Kunde | Rechnungen | Offener Betrag |
|---|---|---|
| Kunde A | 4 | 86.400 € |
| Kunde B | 2 | 31.250 € |
| Kunde C | 7 | 12.900 € |
„Offen“ ist eine Bedingungskette: gestellt, nicht storniert, nicht vollständig bezahlt. Teilzahlungen sind dabei der häufigste Zählfehler – sie verringern den Betrag, nicht die Anzahl. Wer nur nach dem Status filtert, bekommt beides falsch.
| Altersklasse | Rechnungen | Anteil |
|---|---|---|
| bis 30 Tage | 112 | 61 % |
| 31 bis 60 Tage | 34 | 22 % |
| über 60 Tage | 19 | 17 % |
Das Alter zählt ab einem Datum, und davon gibt es im System mehrere: Erfassung, Rechnungsdatum, Buchung, Fälligkeit. Zwei Auswertungen mit zwei Datumsfeldern sind beide für sich richtig und untereinander nicht vergleichbar.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Stornierte Aufträge | 214 |
| Auftragswert | 1.084.500 € |
| davon Teilstorni | 37 |
Der Auftragsstatus liegt in gewachsenen Systemen häufig nicht als aktueller Stand in der Tabelle, sondern als vollständige Änderungshistorie. Wer die Zeilen zählt, zählt Statuswechsel statt Aufträge – die Auswertung ist technisch einwandfrei und beantwortet trotzdem eine andere Frage.
Durchlauf, Häufungen, Nacharbeit
Service & Auftragsabwicklung
| Produkt | Fälle | zum Vorquartal |
|---|---|---|
| Baugruppe 4711 | 23 | + 15 |
| Baugruppe 2210 | 9 | + 1 |
| Zubehörsatz M | 7 | − 3 |
Einzelvorgänge sind im System einsehbar, Häufungen nicht. Von Hand fällt eine Häufung erst auf, wenn jemand auszählt – und den Grund zum Auszählen hat man ohne die Auszählung nicht.
| Standort | Vorgänge | Dauer im Schnitt |
|---|---|---|
| Nord | 418 | 6,2 Tage |
| West | 377 | 9,8 Tage |
| Süd | 295 | 5,4 Tage |
„Abgeschlossen“ hat in den meisten Systemen mehrere Statuswerte – fachlich erledigt, abgerechnet, archiviert. Welcher gemeint ist, entscheidet über die Dauer, und ein Report nimmt den, der in der Auswahlliste zuerst steht.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Aufträge mit Nacharbeit | 146 |
| betroffene Kunden | 88 |
| Kunden mit mehr als zwei Fällen | 12 |
Die Frage verbindet zwei Fachbereiche: Aufträge und Servicevorgänge. Solange beide getrennt ausgewertet werden, sieht niemand, dass sich ein Teil der Fälle auf wenige Kunden verteilt.
Nachfragen, die nicht warten können
Geschäftsführung
| Sicht | Umsatz | zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Vollständig | 18,4 Mio. € | + 7 % |
| Ohne die drei größten | 14,1 Mio. € | − 2 % |
Diese Frage entsteht beim Lesen des Berichts – und ist im Berichtswesen eine neue Anforderung mit eigenem Vorlauf. Bis die Antwort kommt, ist die Entscheidung gefallen.
| Kundengruppe | Umsatz | Anteil |
|---|---|---|
| Bestandskunden | 12,8 Mio. € | 86 % |
| Erstkunden im laufenden Jahr | 2,1 Mio. € | 14 % |
„Erstmals“ hängt daran, ab wann ein Unternehmen als Kunde gilt und wie Konzernstrukturen behandelt werden. Zwei Bereiche im Haus beantworten das oft unterschiedlich – und merken es erst, wenn beide Zahlen in derselben Sitzung liegen.
| Region | Anteil | Vorjahr |
|---|---|---|
| Nord | 34 % | 31 % |
| West | 28 % | 33 % |
| Süd | 22 % | 21 % |
| Ost | 16 % | 15 % |
Region ist selten ein Feld, sondern eine Ableitung aus Postleitzahl, Vertriebsgebiet oder Niederlassung. Welche davon gilt, bestimmt das Ergebnis – und häufig hat jede Abteilung ihre eigene Zuordnung in einer eigenen Tabelle.
Das Muster
Vier Bestandteile, aus denen fast jede dieser Fragen besteht.
Das ist der praktische Nutzen dieser Aufstellung: Wenn Sie prüfen wollen, ob Ihre eigenen Fragen dazugehören, prüfen Sie auf diese vier Bestandteile.
- 01
Zwei Zeiträume und ein Vergleich
Fast jede interessante Frage vergleicht. Genau dort entscheidet sich, welches Datum gemeint ist – Erfassung, Rechnung, Buchung oder Leistung.
- 02
Ein Fachbegriff, der keine Spalte ist
„Neukunde“, „offen“, „abgeschlossen“, „aktiv“: Regeln, die im Code stehen und im Schema fehlen. Ohne Definition erfindet sie jedes Werkzeug ein wenig anders.
- 03
Eine Schwelle oder Gruppierung
„Mehr als“, „mindestens zwei“, „pro Region“. Technisch unproblematisch – fachlich hängt daran, was überhaupt gezählt wird.
- 04
Zwei Fachbereiche in einer Frage
Kunden und Rechnungen, Aufträge und Reklamationen. Der Punkt, an dem eine Einzelauswertung nicht mehr genügt.
Die andere Gattung
Und wenn keiner der vier Bestandteile passt?
Dann ist es vermutlich keine Frage, sondern ein Auftrag. „Finden Sie heraus, woran das liegt“ hat keine feststehende Antwort und lässt sich deshalb auch nicht auf die vier Bestandteile prüfen – welche Teilfragen nötig sind, steht vorher nicht fest.
Jede der zwölf Fragen oben kann eine einzelne Teilfrage einer solchen Untersuchung sein. Genau daraus besteht sie.
Angebunden an eine KI-Anwendung wird ein solcher Auftrag in Teilfragen zerlegt, jede einzeln gegen Ihr Fachmodell geprüft und beantwortet, und die Ergebnisse werden verbunden. Der Maßstab bleibt dabei diese Seite: Eine Kette aus plausibel falschen Zwischenergebnissen ergibt einen plausibel falschen Befund.
Wir verlieren Bestandskunden, und niemand kann sagen, warum. Prüfen Sie, ob es ein Muster gibt.
Die Frage wird jedes Jahr gestellt und jedes Jahr mit einer Vermutung beantwortet, weil sie vier Fachbereiche verbindet.
Welche Bestandskunden haben ihre Bestellfrequenz halbiert oder ganz eingestellt?
Vertrieb Wer überhaupt gemeint ist. „Abgewandert“ ist keine Spalte, sondern eine Festlegung – und ohne sie zählt jede Auswertung eine andere Menge.
Hatten diese Kunden vor dem Abbruch Reklamationen, und wie lange blieben sie offen?
Service Ob dem Abbruch regelmäßig ein ungelöster Vorgang vorausgeht.
Wie waren die Lieferzeiten dieser Kunden im Jahr vor dem Abbruch, verglichen mit allen anderen?
Logistik Ob sie tatsächlich schlechter bedient wurden oder ob das nur so erzählt wird.
Fiel bei ihnen eine Preisanpassung oder das Ende einer Konditionsvereinbarung in denselben Zeitraum?
Finanzen Ob der Abbruch mit einer eigenen Entscheidung zusammenfällt.
Verteilen sich die Fälle auf Gebiete, Betreuer, Produktgruppen – oder auf keines davon?
Verknüpfung Ob das Muster in der Betreuung, im Produkt oder im Ablauf liegt.
Ein Muster, aber nicht das erwartete: Die Abbrüche verteilen sich nicht auf ein Gebiet und nicht auf einen Betreuer, sondern auf die Kunden mit mehr als einer Reklamation, deren Vorgang ungewöhnlich lange offen stand. Lieferzeiten und Preisanpassung treffen beide Gruppen gleich und erklären nichts.
Fünf einzelne Reports beantworten diese Frage nicht, weil die Antwort in der Überschneidung liegt und nicht in einer der fünf Listen. Solange Vertrieb, Service, Logistik und Finanzen getrennt auswerten, sieht die Überschneidung niemand.
Grenzen
Welche Fragen heute nicht dazugehören.
Eine Lücke, die vorher benannt ist, ist eine Einschränkung. Eine, die im Projekt auftaucht, ist ein Fehler.
Wissen aus Dokumenten
Handbücher, Verträge, Protokolle. Ausgewertet werden heute relationale Datenbestände; die Dokumentenanbindung ist in Arbeit.
Prognosen
Nowl beantwortet Fragen an vorhandene Daten. Eine Vorhersage ist ein statistisches Modell und keine Auswertung.
Schreibende Vorgänge
Der Zugriff ist ausschließlich lesend. Es wird nichts angelegt, geändert oder gelöscht – auch nicht auf Wunsch.
Fragen ohne fachliche Grundlage
Wo ein Begriff nicht beschrieben ist, wird die Lücke benannt statt geraten. Das ist gewolltes Verhalten: Eine Antwort entsteht nur auf abgesicherter fachlicher Grundlage.
Ihre drei Fragen sind der bessere Test als unsere zwölf. Schreiben Sie sie auf.