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Mittelstand

KI auf den eigenen Daten: klein anfangen, mit einer echten Frage.

Die üblichen KI-Vorhaben scheitern im Mittelstand nicht an der Technik, sondern an der Reihenfolge: Erst soll eine Datenplattform entstehen, dann ein Team, dann ein Anwendungsfall. Nach zwei Jahren gibt es Infrastruktur und noch keine beantwortete Frage. Dieser Weg dreht die Reihenfolge um.

Kein Data-Warehouse-ProjektEin System als AnfangBestehende Systeme bleiben
Komplexes IT-Vorhaben
Entscheidungs-Klärung
Systemstruktur
Tragfähiges System

Warum es üblicherweise scheitert

Die Voraussetzungen sind meist da. Die Reihenfolge ist falsch.

Ein mittelständisches Unternehmen mit einer gewachsenen Individual- oder Branchensoftware hat fast immer genau das, worauf es ankommt: eine Datenbank mit Jahren echter Geschäftsvorfälle und einen Sourcecode, in dem die Fachlogik steht. Was fehlt, sind nicht Daten, sondern eine Beschreibung ihrer Bedeutung.

Trotzdem beginnen KI-Vorhaben regelmäßig mit dem Aufbau einer Plattform: Datendrehscheibe, Warehouse, Lakehouse, Kompetenzteam. Das ist nicht falsch gedacht, aber es ist teuer, langsam und – entscheidend – es liefert bis zum Schluss keinen prüfbaren Nutzen.

Nach zwei Jahren steht dann Infrastruktur, für die niemand mehr einen Anwendungsfall benennen kann, der nicht auch vorher schon möglich gewesen wäre.

Der Einstieg hier braucht diese Vorarbeit nicht. Datenmodell und Sourcecode des vorhandenen Systems werden gelesen; daraus entsteht die Beschreibung ihrer Bedeutung. Das System bleibt unverändert, es wird nichts migriert und keine Kopie Ihres Datenbestands aufgebaut.

Der erste prüfbare Nutzen ist damit keine Plattform, sondern eine beantwortete Frage – gestellt von jemandem aus Ihrem Fachbereich, mit einem Ergebnis, das er selbst beurteilen kann.

Voraussetzungen

Was Ihr Haus tatsächlich mitbringen muss.

Vier Dinge. Keines davon ist ein Projekt, drei davon sind Zugänge.

  • Eine relationale Datenbank mit lesendem Zugang

    Umgesetzt sind PostgreSQL und MySQL. Ein lesender Benutzer genügt; es wird nichts geschrieben, nichts angelegt und nichts verändert.

  • Lesenden Zugriff auf den Sourcecode

    Dort steht die Fachlogik, die im Schema fehlt. Ausgewertet werden daraus heute Struktur und Statuswerte (für Java); Berechnungen und Fallunterscheidungen aus Methodenrümpfen beschreibt Ihr Fachbereich mit, ihre automatische Auswertung ist in Arbeit. Ohne diese Quellen müsste die Bedeutung erraten werden, und genau das soll der Ansatz vermeiden.

  • Zwei Personen aus dem Fachbereich

    Menschen, die beurteilen können, ob eine Zahl stimmt. Sie sind der wichtigste Beitrag – nicht als Projektrolle, sondern in Form von einigen Stunden verteilt über die Pilotphase.

  • Eine Handvoll echter Fragen

    Fragen, deren Antwort Sie heute nicht kennen oder nur mit Aufwand bekommen. Sie sind der Maßstab: Was daran nicht funktioniert, ist ein Befund und keine Ausrede.

Nicht nötig sind: ein Data Warehouse, ein Datenkatalog, ein KI-Team, eine bereinigte Datenbasis oder eine aktuelle Dokumentation. Veraltete Dokumentation ist der Normalfall und kein Hindernis – gelesen wird der Code, nicht das Handbuch.

Zwei Wege

Plattform zuerst oder Frage zuerst.

Beide Wege können am Ende funktionieren. Sie unterscheiden sich darin, wann Sie erfahren, ob sie funktionieren.

Plattform zuerst
Frage zuerst
Erst Infrastruktur, dann Anwendungsfall
Erst eine echte Frage, dann alles Weitere
Erster prüfbarer Nutzen nach Monaten
Erster prüfbarer Nutzen nach Stunden bis Tagen
Aufwand fällt vor der Erkenntnis an
Aufwand folgt der Erkenntnis
Bindet Budget und Personal langfristig
Lässt sich nach der Pilotphase beenden
Daten werden kopiert und historisiert
Bestehende Systeme bleiben unverändert
Scheitern zeigt sich spät und teuer
Scheitern zeigt sich früh und billig

Der kleinste sinnvolle Anfang

Ein System, fünf Fragen, ein Fachbereich.

Nicht das ganze Unternehmen und nicht alle Datenquellen. Der Zuschnitt ist bewusst klein, damit das Ergebnis eindeutig ist.

  1. 1

    Ein System auswählen

    Das System, in dem das meiste Geschäftswissen steckt – meist die zentrale Branchen- oder Individualsoftware. Weitere Quellen kommen später oder gar nicht.

  2. 2

    Fünf Fragen aufschreiben

    Fragen aus dem Alltag eines Fachbereichs, deren Antwort heute Aufwand kostet. Bei zwei davon sollten Sie die richtige Antwort kennen – das sind Ihre Kontrollfälle.

  3. 3

    Analyse und erste Antworten

    Datenmodell und Sourcecode werden gelesen, die semantische Schicht entsteht KI-gestützt. Je nach Umfang liegt nach Stunden bis wenigen Tagen ein Vorschlag vor; belastbar wird er durch die Bestätigung Ihres Fachbereichs.

  4. 4

    Gemeinsam bewerten

    Ihre Fachleute prüfen die Antworten. Wo eine falsch ist, wird die zugrunde liegende Regel korrigiert – nicht die Antwort. Danach gilt die Korrektur für jede gleichartige Frage.

  5. 5

    Entscheiden

    Am Ende steht eine belegte Einschätzung, ob der Ansatz in Ihrem System trägt. Wenn nicht, haben Sie eine Antwort und keine Plattform, die Sie danach betreiben müssen.

Wie das mit der KI aussieht – Frage, Antwort und Herleitung: Beispiele ansehen →

Aufwand und Risiko

Was der Einstieg intern kostet.

Ehrlich benannt, soweit es sich ohne Kenntnis Ihres Systems benennen lässt. Alles, was von Datenmodell und Fragestellung abhängt, wird im Gespräch geklärt statt hier pauschaliert.

Interne Arbeitszeit
Im Wesentlichen die Zeit Ihrer Fachleute für das Formulieren und Bewerten der Fragen, verteilt über die Pilotphase. Kein eigenes Projektteam, keine freigestellte Stelle.
IT-Aufwand
Lesender Datenbankzugang, Zugriff auf den Sourcecode und eine Umgebung für den Betrieb (Container); aufgesetzt wird sie im Pilotprojekt gemeinsam. Keine Änderung an bestehenden Anwendungen.
Eingriff in den Betrieb
Keiner. Der Zugriff ist ausschließlich lesend; das laufende System wird nicht verändert und nicht abgeschaltet.
Bindung
Pilotkunden erhalten Sonderkonditionen. Die spätere Lizenzierung richtet sich nach der Zahl der eingebundenen Systeme und der Nutzer und wird im Pilotprojekt individuell vereinbart. Umfang und Aufwand der Einführung hängen von Datenmodell und Fragestellung ab und werden vorab unverbindlich geklärt.
Ausstieg
Zugang entziehen, Container abschalten. Es bleibt kein veränderter Datenbestand zurück, weil keiner angelegt wurde. Die semantische Schicht liegt in Ihrer Umgebung und bleibt lesbar; wem welche Rechte an ihr zustehen, regeln wir im Pilotvertrag.
Entwicklungsstand
Pilot- und Validierungsphase. Das Produkt entsteht derzeit mit einer kleinen Zahl von Pilotkunden – wer jetzt einsteigt, prägt mit, was als Nächstes umgesetzt wird. Der heutige Stand steht offen auf den Produktseiten.

Wann ein anderer Weg näher liegt

Drei Fälle, in denen wir zuerst woandershin zeigen.

Wenn Ihr Geschäftswissen nicht in einer Datenbank, sondern in Dokumenten, Mails und Dateiablagen steckt: Heute werden relationale Datenbestände ausgewertet, die Anbindung von Dokumenten ist in Arbeit. Melden Sie sich trotzdem – genau solche Fälle entscheiden mit, was als Nächstes entsteht.

Wenn Sie eine Standardsoftware einsetzen, für die der Hersteller fertige Auswertungen liefert, und Ihre Fragen darin vorkommen. Dann ist der Weg über den Hersteller günstiger – und das sagen wir Ihnen lieber vorher als hinterher.

Wenn heute noch niemand im Haus verbindlich sagen kann, ob eine Antwort fachlich stimmt. Diese eine Person ist die Voraussetzung, an der alles hängt: Gibt es sie, ist der Rest Handwerk. Gibt es sie noch nicht, ist sie der erste Schritt – und dabei helfen wir.

Wenn das Wissen im Sourcecode steckt →

Häufige Fragen

Fehlt Ihnen eine Frage? Ausführliche Antworten zu Betrieb und Datenzugriff stehen auf der Sicherheitsseite.

Können wir eine Unternehmens-KI auf unsere eigene Datenbank aufsetzen?

Genau das ist der Ansatz: Gefragt wird gegen Ihre bestehende Datenbank, ausschließlich lesend und über einen eigenen Benutzer, der nur lesen darf. Es wird nichts migriert, nichts synchronisiert und kein zweiter Datenbestand angelegt.

Umgesetzt sind PostgreSQL und MySQL, MySQL zusätzlich in der Alpha erprobt. Andere relationale Systeme sind damit nicht ausgeschlossen – der Ansatz hängt nicht an einem Datenbanksystem, und was für Ihres gilt, klären wir in der technischen Sichtung.

Der Aufwand liegt nicht im Anschluss der Datenbank, sondern in der fachlichen Beschreibung Ihrer Begriffe. Die fällt einmal an und trägt danach jede weitere Frage.

Brauchen wir dafür ein Low-Code-Werkzeug zur Datenintegration?

Nein, und das ist der Unterschied zum üblichen Vorgehen. Datenintegration im Mittelstand bedeutet meist: Daten aus mehreren Systemen in ein Ziel übertragen, dort zusammenführen und dann auswerten. Ein Low-Code-Werkzeug macht diesen Transport bedienbar – es ändert aber nichts daran, dass er stattfindet.

Hier wird nicht transportiert, sondern beschrieben: Die Systeme bleiben, wo sie sind, und die Verbindung zwischen ihnen wird als fachliche Zuordnung hinterlegt – etwa welche Kundennummer im einen System welcher im anderen entspricht. Vorhanden sein muss diese Zuordnung allerdings; wo sie nirgends existiert, ist ihre Klärung eine eigene Aufgabe.

Der empfohlene Anfang ist ohnehin ein System. Eine Frage über Systemgrenzen hinweg ist der zweite Schritt und nicht die Voraussetzung für den ersten.

Wir haben keine Datenabteilung. Geht das trotzdem?

Ja, und das ist der Regelfall in dieser Größenklasse. Gebraucht werden keine Data Engineers, sondern Menschen, die Ihre Fachlichkeit kennen – meist sind das dieselben Personen, die heute die Sonderauswertungen in Excel bauen.

Die technische Arbeit an der semantischen Schicht liegt nicht bei Ihnen. Was bei Ihnen liegt, ist die fachliche Entscheidung, ob eine Definition richtig ist.

Sollten wir nicht auf die KI-Funktion unseres Softwareanbieters warten?

Wenn Ihr Anbieter eine solche Funktion angekündigt hat und Ihre Fragen damit beantwortet werden, ist das der einfachere Weg. Das lohnt sich zu prüfen, bevor man etwas Eigenes beginnt.

Zwei Dinge sollten Sie dabei klären: ob die Funktion Ihre eigenen Anpassungen und Zusatzfelder kennt – gewachsene Installationen unterscheiden sich vom Standard – und wo die Verarbeitung stattfindet. Bei einer Cloud-Funktion des Anbieters ist die Frage nach dem Datenabfluss neu zu stellen.

Wir haben ERP, CRM und eine Eigenentwicklung. Womit fangen wir an?

Mit dem System, in dem die Fragen entstehen, die Sie heute nicht beantworten können. Das ist meist nicht das größte System, sondern das mit der eigensten Fachlichkeit.

Systemübergreifende Auswertungen sind möglich, aber der falsche Anfang: Sie verdoppeln den Analyseaufwand, bevor geklärt ist, ob der Ansatz in Ihrem Haus überhaupt trägt.

Unsere Datenqualität ist nicht gut. Müssen wir erst aufräumen?

Nein – und in der Praxis ist es umgekehrt nützlich. Weil jede Antwort ihre Herleitung mitführt, werden Datenprobleme als solche sichtbar, statt sich in einer Kennzahl zu verstecken.

Ein Aufräumprojekt vorweg hat dasselbe Problem wie ein Plattformprojekt: Es kostet, bevor jemand weiß, welche Felder überhaupt gebraucht werden. Nach den ersten echten Fragen ist diese Liste deutlich kürzer.

Reicht unsere Systemausstattung dafür aus?

Betrieben wird die Schicht in Containern, im Pilotprojekt gemeinsam aufgesetzt; die Anforderungen liegen im Bereich einer normalen Serveranwendung. Die Datenbanklast entspricht der einer lesenden Auswertung, nicht der eines zweiten Systems.

Was von Ihrer Umgebung abhängt, ist die Frage, ob und wie ein Sprachmodell erreichbar ist – im Betriebsmodus mit externem Modell braucht es eine ausgehende Verbindung. Ein vollständig lokal betriebenes Modell ist in Arbeit.

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Ein Gespräch von vierzig Minuten genügt, um zu sagen, ob Ihr System dafür taugt – und wenn nicht, warum nicht.

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